Matthias Leupold ist seit 1985 in Berlin als freischaffender Fotokünstler auch in den Bereichen Medien und Industrie tätig. Er studierte an der Universität der Künste, Berlin, Visuelle Kommunikation mit den Abschlüssen Diplom-Designer und Meisterschüler. Seit 2007 lehrt er in Berlin als Professor für künstlerische Fotografie und digitale Bildmedien.

Fotografie und Film faszinieren Matthias Leupold gleichermaßen. Folgerichtig ist die szenische Fotografie sein Ausdrucksmittel. In seinen seriellen Arbeiten geht Leupold Erscheinungsformen von Bildgruppen und deren gesellschaftlichen Bezügen auf den Grund. 1988/89 begann er, die III. Deutsche Kunstausstellung – Dresden, 1953 künstlerisch zu analysieren. Dabei wurden Bilder dieses strikten Beginns der Formalismus-Debatte aufgegriffen und fotografisch re-inszeniert. In einer weiteren schwarz/weißen Bildfolge wurde der Ideologiegehalt von Bildmaterial der deutschen Zeitschrift „Die Gartenlaube“ um 1911/12 untersucht.

Neben seinen Serien fotografiert Leupold zahlreiche Einzelbilder und Tableaux. Schauspieler, Modelle und Laien erspielen vor seiner Kamera Inszenierungen für fotografische Bilder, in denen sowohl persönliche und gesellschaftlich relevante Themen wie Einsamkeit, Stagnation, Heimkehr, Schutzbedürftigkeit, Verletzung, Überfluss und Verschwendung als auch tagesaktuelle Ereignisse und Beobachtungen verdichtet und visuell reflektiert werden und von denen einige bis heute als Bildikonen der achtziger Jahre in Ostberlin gelten können (Präsentation "Übergangsgesellschaft–Portraits und Szenen 1980-1990" der Berliner Akademie der Künste 2009). Werke von Michelangelo, Hans Baldung Grien und Cranach d. Ä. und Michael Erhardt waren besonders inspirierend für seine frühen Arbeiten. Mehrere Fotografien stellen einen inhaltlichen Bezug zu dem Roman von Robert Musil „Der Mann ohne Eigenschaften“ her.

Von 1997-98 hielt sich Matthias Leupold als einer der ersten deutschen Fotokünstler in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom auf. Die in Italien entstandenen meist farbigen Aufnahmen sind geprägt von herausragenden Kunstwerken der italienischen Renaissance und dem Eindruck südlichen Lichtes.

Der Fotokünstler Matthias Leupold vertritt eine singuläre Position in der Kunst-Landschaft. Dies kam unter anderem in seinen Ausstellungsbeteiligungen "Kunst der DDR" in der Berliner Nationalgalerie 2003 und "Berlin-Moskau/Moskau-Berlin" in Moskau 2004 zum Ausdruck. „Was er sich erarbeitet hat und was seine Fotokunst ausmacht, versucht man zusammenzufassen in drei polaren Spannungen zwischen Statik und Dynamik, zwischen Kontemplation und Narration, zwischen Scherz und Symbol. In den Bildern fallen diese Dimensionen und Kategorien nicht auseinander, sondern verschmelzen teilweise oder ganz.“ (Zitat T.O. Immisch, Leiter der Fotografischen Sammlung der Stiftung Moritzburg Halle – Essay in „Die Vergangenheit hat erst begonnen“ Schadenverlag Köln, 2003)

Prof. Dr. Ulrich Eckhardt, 1973-2001 Intendant der Berliner Festspiele: "Leupolds Fotokunst bedarf nicht der Beschreibung; sie erschliesst sich durch genaues Hineinblicken jedes Einzelnen – eine Schule des Sehens, die Einblicke in Zusammenhänge anbietet. Ganze Geschichten sind fokussiert in dem einen alles bündelnden Schlüsselbild, von dem aus eine Erzählung rückwärts und vorwärts lesbar ist – ein Spiel mit unserer Assoziationsfähigkeit – eine Probe auf unser Wahrnehmungsvermögen. Leupold ist Autor, Regisseur, Ausstatter, Dokumentarist – scheinbar affirmativ und konservierend, in Wahrheit jedoch kritisch reflektierend und zum Weiterdenken auffordernd..." (aus der Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung DIE VERGANGENHEIT HAT ERST BEGONNEN im Kunst- und Medienzentrum, in Berlin-Adlershof 2003) mehr

Karl Corino, 1985-2002 Leiter der Abteilung Literatur im Hessischen Rundfunk und Verfasser einer umfassenden Musil-Biografie: "Every epoch has a blind spot concealing from it the absurdity of its doings, that which is rooted in the times, the involuntarily amusing. Leupold has a talent for setting up his camera tripod in just this blind spot, and from this position he demonstrates all the exaggeration, the slips and the accidents, even perhaps the hypocrisy which remained concealed from the contemporaries of earlier times. Poses and corresponding texts from a book of photographic nudes, originally intended for young painters and sculptors, provided the pattern for Leupold's analysis of the ideal of beauty around the turn of the 20th century." (Essay in "Die Schönheit der Frauen – Photographische Freilichtstudien" Connewitzer Verlagsbuchhandlung Leipzig 1995) mehr

Enno Kaufhold, Fotohistoriker, Berlin: „Unverkennbar haben Matthias Leupolds Bilder etwas mit Simulation zu tun und insofern liegt er mit seinen Inszenierungen im Trend; und ganz fraglos interessiert er sich besonders für die medialen Brücken zwischen individueller Erkenntnisfähigkeit und den globalen Realitäten... Anders jedoch als die Mehrzahl der inszenierenden und konstruierenden Bildmeister mit ihren Fantasiegebilden kreiert er reelle fotografische Bilder real existierender Realität, historischer wie aktueller. Denn nach wie vor werden wir mit Bildern, vornehmlich fotografierten und heute mehr noch elektronischen auf dem Kurs der Konformität gehalten. Was die neuen Systeme kollektiv und digital generieren (angepaßt), bewältigt Matthias Leupold individuell mit der Kamera (kritisch), als Kunstform. Diese ist zwar nicht so marktschreierisch effektvoll, dafür aber aufrichtig und stimmig.“ (M. L.–Fiktive Bilder als Realität höherer Ordnung in Photonews, Hamburg 4/1994) mehr

Matthias Leupold betreibt in Berlin sein Atelier für Fotografie, in welchem künstlerische Projekte und Aufträge aus den Bereichen Werbefotografie, Imagemarketing, Portraitfotografie, insbesondere Manager- und Schauspielerportraits, Fotodokumentationen und Video bearbeitet werden.